Fakten für Ihre Planung

Die Funktionalität großer und komplexer Gebäude ist auch von den Fördersystemen für Personen und Lasten abhängig. Die richtige Dimensionierung und Anordnung dieser Förderanlagen hat einen wesentlichen Einfluß auf die Attraktivität und somit Vermietbarkeit des Gebäudes. Da die Gesamtgebäudeplanung durch die Anordnung von Aufzügen und Fahrtreppen stark beeinflußt wird, ist die Ermittlung der erforderlichen Förderkapazität im ersten Planungsstadium dringend erforderlich. Änderungen zu einem späteren Zeitpunkt sind nur kostenintensiv durchzuführen oder unmöglich.

Sobald das Gebäudekonzept soweit festliegt, daß bekannt ist, was (Personen/Güter) wohin (vertikal/horizontal) transportiert werden soll, kann festgelegt werden, womit (Aufzüge/ Fahrtreppe oder andere Systeme) die Beförderung durchgeführt werden soll.

Für die Personenbeförderung stellt sich hier die Frage, wann sind Aufzüge und wann sind Fahrtreppen oder Fahrsteige einzusetzen?

Aufzüge und Fahrtreppen sind grundsätzlich unterschiedliche Fördermittel, die sich gegenseitig nicht ersetzen sondern nur ergänzen können. Sind große Förderhöhen zu überwinden (Büros, Geschäftshäuser, Hotels) werden Aufzüge eingesetzt.

Relevante Vorschriften in Österreich

 

Untenstehend finden Sie eine Zusammenfassung aller Normen, die zur Zeit in Österreich bindend für die Planung von Aufzügen und Fahrtreppen/Fahrsteigen sind.

 

ÖNORM B2450

 

ÖNORM B2450-1 - Bauvorschriften für Aufzüge - Allgemeines

 

ÖNORM B2450-4 - Bauvorschriften für Aufzüge - Nichtbetretbare Lastenaufzüge.

Die ÖNORM B2450 legt durch den Verweis auf die jeweils gültigen Landesgesetze fest, wann ein Aufzug einzubauen ist und welche weiterführenden Normen zur Anwendung kommen.

 

ÖNORM EN81

Die ÖNORM EN81 legt die Sicherheitsregel fest, um Personen und Sachen vor Unfallgefahren zu schützen. Erläuterungen zu dieser Norm finden Sie in einem eigenem Kapitel.

 

ÖNORM EN81-1 - Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von Personen- u. Lastenaufzügen sowie Kleingüteraufzügen - Elektrisch betriebene Aufzüge

 

ÖNORM EN81-2 - Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau vonPersonen- u. Lastenaufzügen sowie Kleingüteraufzügen - Hydraulisch betriebene Aufzüge

 

ÖNORM B1600 und B1601

 

ÖNORM B1600 - Barrierefreies Bauen - Planungsgrundsätze

 

ÖNORM B1601 - Spezielle Baulichkeiten für behinderte und alte Menschen

Planungsgrundsätze: In jedem Neubau, in welchen ein Aufzug gemäß Behindertenrichtlinien einzubauen ist, muß die ÖNORM B1600 als Planungsgrundlage herangezogen werden. Es ist somit mindestens ein Aufzug dementsprechend auszuführen.

Die jeweiligen landesgesetzlichen Bestimmungen sind einzuhalten.

 

ÖNORM B2455 und TRVB 150

Gilt für jene Gebäude, die nach den jeweiligen landesgesetzlichen Bestimmungen Hochhäuser sind. Für Wien, zum Beispiel, gilt ein Gebäude als Hochhaus wenn sich die Traufenkante in einer Höhe von über 26 m befindet. Somit ist je Brandabschnitt mindestens ein Aufzug einzubauen, dessen Kabine 1,0 m breit und 2,10 m tief sein muß und dessen lichte Türbreite 0,80 m aufweisen muß. Die Nennlast muß mindestens 1000 kg bzw. 13 Personen betragen. Es gelten wieder die landesgesetzlichen Bestimmungen in Zusammenhang mit der ÖNORM B1600.

 

Weiterführende Bestimmungen:

 

Triebwerk und Triebwerksraum - Der Triebwerksraum muß über dem Schacht angeordnet sein. Der Zugang zum Triebwerk muß innerhalb der Baulichkeit liegen und über Stiegen erfolgen. Niveauunterschiede bis zu einem Meter innerhalb des Triebwerksraumes können

 

Elektrische Leitungen - Die Zuleitungen müssen E 90 entsprechen (gemäß DIN 4102 Teil 12) auch durch Leitern ausgeglichen werden.

 

Steuerung - Die Steuerung muß mindestens als Abwärts-Sammelsteuerung ausgeführt sein.

 

Brandalarm - Bei Auslösen eines Brandalarms müssen die Fahrkörbe in die Haupthaltestelle fahren und mit geöffneten Türen abgestellt werden.

 

Netzausfall - Bei Netzausfall müssen die Fahrkörbe in die jeweils nächste in die Haltestelle fahren und mit offenen Türen abgestellt werden.

 

Notstrom - Je Brandabschnitt ist zumindest ein Aufzug mit Notstromversorgung vorzusehen (E 90).

 

Gegensprechanlage - Zusätzlich zur Notrufeinrichtung ist eine Gegensprechanlage zwischen Fahrkorb und Haupthaltestelle vorzusehen.

 

Fahrkorbstellungsanzeige - In der Haupthaltestelle ist eine Fahrkorbstellungsanzeige vorzusehen.

 

Feuerwehr-Vorrang-Steuerung - In der Haupthaltestelle ist ein Schlüsselschalter für die Feuerwehr-Vorrang-Steuerung vorzusehen. Dieser ist so auszuführen, daß der Schlüssel in beiden Stellungen abziehbar ist.

 

Weiterführende Bestimmungen (Fortsetzung):

 

In der Kabine - In der Kabine ist ein Schlüsselschalter für die Feuerwehr-Vorrang-Steuerung vorzusehen. Dieser ist so auszuführen, daß der Schlüssel nur in 0-Stellung abziehbar ist.

 

ÖNORM B8115

Schallschutzmaßnahmen - Da dieses Thema äußerst komplex und umfangreich ist, sei nur aufgrund seiner enormen Wichtigkeit darauf hingewiesen. Obwohl heute nahezu alle Aufzugskomponenten so vom Gebäude entkoppelt (Gummielemente) sind, dass nahezu kein Körperschall übertragen werden kann ist bei der Planung die Beachtung von geeigneten baulichen Schallschutzmaßnahmen äußerst wichtig.

 

ÖNORM B2470 - Personenaufzüge für Wohnhäuser

 

ÖNORM B2471 - Personenaufzüge für Büro- und Verwaltungsgebäude, Hotels und Schulen

 

ÖNORM B2472 - Personenaufzüge für Krankenhäuser (Bettenaufzüge)

 

ÖNORM EN115 - Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von Fahrtreppen und Fahrsteigen

 

Jeweils gültige Bauordnungen